Grünkohl mit Pinkel brachte 10000 Euro

Alles begann im Maritim-Hotel

„Jeder, der an der Grünkohlwanderung teilnimmt, spendet eine nicht geringe Summe für den Verein“, sagte Professor Dr. Marcell Heim, „das ist wichtig, damit wir Typisierungen durchführen können.“ Bei dieser Grünkohlwanderung, die vom Maritim quer durch Magdeburg zum Mückenwirt führte kamen 10.000 Euro zusammen.
Begrüßt wurden die Wanderer vom noch amtierenden Grünkohlkönig, Hartmut Korthäuer, Maritimdirektor in Köln und seiner Prinzessin Pia Heim aus Biederitz.
Das royale Paar erinnerte noch einmal in kurzen Worten an die Entstehung dieser Tradition:Im Frühjahr 2002 gründete sich im Magdeburger Maritim-Hotel der Kochclub „Les fins becs“. Die Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, Spenden für die Aktion „Knochenmarkspende Sachsen-Anhalt e.V.“ zu sammeln. 
Unter den ersten begeisterten Hobbyköchen war auch Architekt Manfred Discher aus Magdeburg. Er schlug dem Kochclub als zusätzliche Aktivität eine jährliche Grünkohlwanderung vor, die er auch seitdem im Wesentlichen organisiert. 
Zunächst wurde nach der Wanderung die Grünkohlparty in seiner Wohnung gefeiert, doch das geht nicht mehr – die Zahl der Teilnehmer ist zu groß geworden. Aber mit steigender Teilnehmerzahl musste eine andere Möglichkeit gefunden werden.

Grünkohlwanderung führte kreuz und quer durch Magdeburg

Ziel war es von Anfang an, neben möglichst reichlich Spenden für die „Aktion Knochenmarkspende Sachsen-Anhalt. e. V.“ zu sammeln, jedes Jahr in einer anderen Gegend Sachsen-Anhalts  zu wandern, den Teilnehmer kulturell und geschichtlich Interessantes aus der Region zu bieten und  nachdem der Appetit erlaufen wurde,  in ein gemütliches Lokal einzuziehen, um den traditionellen Grünkohl mit Pinkel in geselliger Runde zu genießen. Stand im vergangenen Jahr eine Wanderung durch Tangermünde  auf dem Programm, ging es diesmal durch Magdeburg.

Alte Festung, Denkmal, Gewächshäuser und Puppentheater

Und das Programm konnte sich sehen lassen: Vom Maritim-Hotel ging es durch den Hauptbahnhof zu den alten Festungsanlagen. Hier gab es eine fachkundige Führung von Rüdiger Stefanek, Vorsitzender des Vereins Ravelin II, der sich für den Erhalt und die Sanierung des Objektes einsetzt. Unter anderem berichtete er, dass zwischen 1716 bis 1760 Magdeburg zur stärksten Festung Preußens und zu einer der modernsten Anlagen Europas ausgebaut wurde. Damals wurden große Teile der Wallanlage in Sudenburg und Neustadt abgerissen und der Domplatz als Exerzier- und Paradeplatz eingerichtet. Wer mehr über die Magdeburger Festungsanlage wissen möchte: www.sanierungsverein-ravelin2.weebly.com.
Dann ging es weiter Richtung Eike-von-Repgow-Denkmal in der Carl-Miller-Straße. Hier warteten Kaffee, Kuchen und Glühwein (gespendet vom Maritim-Hotel) auf die Wanderer. Die Erfrischung wurde dankbar angenommen, regnete es doch immer wieder und es pfiff ein kühler Wind durch die Straßen.


Nächste Station waren die Gruson-Gewächshäuser. Hier wurden die Knochenmark-Wanderer in vier Gruppen aufgeteilt, die unter anderem vom Wissenschaftlichen Leiter, Dr. Ludwig Martins, durch die Anlage, die schon seit 1896 für alle Interessierten geöffnet ist, geführt. (http://www.gruson-gewaechshaeuser.de/).
Nächster Höhepunkt – das Puppentheater Magdeburg. Auch hier gab es Gruppenführungen durch Museum und Theater. Besonders die vielen, tollen Puppen sorgten für Staunen und Freude. Sei es es Dagobert Duck aus der Aufführung „Der Geizige“ oder die Louis de Funes Puppe aus „Oscar“. Aber auch der kleine Muck, der gestiefelte Kater, Rumpelstilzchen oder die wilden Kerle begeisterten. Herzlichen Dank an Intendant Michael Kempchen und sein Team, die die Führungen begleiteten (www.puppentheater-magdeburg.de).

Appell an das Ehrenamt

Dann wurde es aber auch so langsam Zeit, den Weg Richtung Mückenwirt einzuschlagen, dem Restaurant, in dem in diesem Jahr das traditionelle Grünkohlessen stattfand. Ehrengast an diesem Abend war der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Dr. Wolfgang Böhmer, der sich in einer ergreifenden Rede für das Ehrenamt stark machte. Er erklärte unter anderem, dass eine Gesellschaft ohne freiwilliges Engagement nicht mehr funktioniert und deshalb Ehrenämter hoch zu würdigen sind. Beeindruckt zeigte er sich auch über die zahlreichen Grünkohlwanderer und die Spendensumme.

Und wofür ist das Geld?

Die Magdeburger Spendenkartei ist eine von über 30 derartigen Einrichtungen in Deutschland. Sie alle sind zur Typisierung von Patienten auf Geld von außen angewiesen. Eine Laboruntersuchung pro Blutprobe kostet 50 Euro. Interessant: Nur gut ein Drittel aller Blutkrebspatienten findet einen geeigneten Spender in der eigenen Familie und ist auf Hilfe Fremder angewiesen. 
Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Sie sind oft auf Hilfe von Fremden angewiesen. Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen in Deutschland typisieren lassen.

Übrigens: Zu später Stunde wurde Klaus Olbricht zum neuen Grünkohlkönig ernannt. Seine Prinzessin ist Sabine Koch, Frau des ehemaligen Beigeordneten, Dr. Rüdiger Koch.
Mal sehen, was ihre Hoheiten sich für die Jubiläumswanderung im nächsten Jahr einfallen lassen...
Thomas Pfundtner

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